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Mai 2026

Schlesisches Tagebuch von Alfred Theisen
​aus "Schlesien heute" Nr. 5/2026

Der Mai bringt für Görlitz ein herausragendes Doppeljubiläum: Einer der ältesten und prächtigsten profanen Renaissancebauten Deutschlands, der Schönhof am Untermarkt im Herzen der Altstadt, wird 500 Jahre und gleichzeitig wird der 20. Jahrestag der Eröffnung des Schlesischen Museums in diesem Baudenkmal gefeiert (S. 12). Ursprünglich sollte in den 1980er Jahren ein solch hochkarätiges Schlesien-Museum in Hildesheim, im Patenland Niedersachsen, entstehen, aber der damalige Ministerpräsident Gerhard Schröder (SPD) war kein Freund Schlesiens und vereitelte diese Bemühungen. Gottlob kann man nur sagen, denn durch die friedliche Revolution von 1989 wurde den Stiftern – Bund, Freistaat Sachsen, Stadt Görlitz und der damals von Herbert Hupka geleiteten Landsmannschaft Schlesien – der Weg für einen grandioseren Standort frei: eben dieser Schönhof in der heutigen Europastadt Görlitz/Zgorzelec.


Herbert Hupka, für viele der eigentliche Vater dieses Schlesischen Museums und seit Beginn der 1990er Jahre einer der nachhaltigsten Brückenbauer zwischen Deutschen und Polen, konnte noch die Eröffnung des Museums erleben, bevor er ebenfalls vor 20 Jahren, einige Wochen später, am 24. August 2006, hochbetagt in Bonn verstarb. In seinem Geist stellt heute dieses Schlesische Museum zu Görlitz eine herausragende Attraktion der Region dar, eine Leid und Leistung der Schlesier sowie Höhen und Tiefen der Geschichte Schlesiens im Geiste der Wahrheit und der Versöhnung vermittelnde Institution von nationalem Rang mit besten Kontakten zu Museen im polnischen und tschechischen Teil Schlesiens. 


Unter den Blumen im heute wieder an beste Zeiten anknüpfenden schlesischen Garten kann jetzt eine weitere wunderbare Blüte bestaunt werden: das renovierte größte Renaissanceschloss Europas in Oels/Oleśnica, das für Besucher geöffnet wurde (S. 18). Hier ist viel Idealismus am Werk, aber es fehlt noch an finanziellen Ressourcen, an einer starken, fördernden Stiftung oder Organisation, weshalb zum Beispiel die Beschriftung nur auf Polnisch erfolgt. Ein imponierender Anfang ist jedenfalls gemacht, und ein Besuch des Hohenzollern-Schlosses, das der Hohenzollern-Burg in Hechingen partnerschaftlich verbunden ist, lohnt sich allemal - allein schon wegen der Ausstellung zu Cecilie von Preußen (S. 20), die mit Fürstin Daisy von Pless gut bekannt war, wobei sich Wesen und Schicksal der beiden bedeutenden Frauen ähnelten. 


Eine weitere wohltuende Nachricht ist das erste Treffen der Sudetendeutschen in Tschechien auf Einladung von tschechischen Intellektuellen und Bürgern der mährischen Hauptstadt Brünn (S. 27). Zu den Befürwortern dieser Einladung gehört auch der neue Prager Erzbischof Stanislav Přibyl (S. 27). So erlebt die schon nach dem Ersten Weltkrieg entstandene Paneuropa-Bewegung in diesen Tagen viel Gegen- aber auch Rückenwind (S. 24). 


Ausgabe für Ausgabe berichten wir über das Wirtschaftswunder in Polen, wie zum Beispiel von der Niederschlesischen Bahn das vor rund 130 Jahren entstandene Streckennetz heute wiederhergestellt wird. Schon mit dem Buch über den Breslauer Ex-OB Rafał Dutkiewicz haben wir dokumentiert, dass dieser Erfolg Polens nicht nur durch milliardenschwere EU-Milliarden entstand, sondern durch Fleiß, Klugheit und Elan seiner Menschen. Die Unternehmerin Agata Reichel-Tomczak zeigt prägnant zehn Gründe auf, warum Polen heute als Europas neuer Wachstumsmotor so abhebt (S. 40). 


Görlitz steht am 10. Mai vor OB-Wahlen (S. 9). Octavian Ursu kann auf eine beispiellose Erfolgsbilanz seiner siebenjährigen Amtszeit ohne Skandale zurückblicken. Das lange wie Deutschlands Armenhaus im Osten wirkende Görlitz mit demographischen und wirtschaftlichen Problemen gehört heute zu den deutschen Städten mit den größten Zukunftschancen. Der Tourismus als Wirtschaftsfaktor Nummer 1 zieht weiter kräftig an. Durch die Ansiedlung von Forschungsinstituten wie CASUS oder des Instituts für Astrophysik und die Aufwertung bestehender Einrichtungen wie der Hochschule oder des Senckenberg-Museums ist Görlitz zur Wissenschaftsstadt geworden, die mit Kongressen und attraktiven Arbeitsplätzen junge Menschen aus der ganzen Welt anzieht. Anstelle des untergegangenen Waggonbaues gelang es, einen Investor aus der Rüstungsindustrie zu gewinnen. Langjährige Baustellen wie die Synagoge, die Stadthalle oder das Kaufhaus konnten abgeschlossen oder entscheidend vorangebracht werden. Unter Octavian Ursus Ägide schreibt Görlitz mit „United Heat“ europäische Energiegeschichte (S. 38). Aussichtsreichster Herausforderer ist wieder Sebastian Wippel (AfD), der wie der Großteil der Mitglieder und Wähler seiner Partei kein Extremist ist. Sein stärkster Trumpf, auf den er mit seiner „Jetzt erst recht“-Kampagne setzt, besteht in der wachsenden Empörung der Bürger über die deutschlandweit polarisierende „Brandmauer“, die viele Görlitzer an Meinungsmache aus der Zeit vor 1989 erinnert. 

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