Schlesisches Tagebuch von Alfred Theisen
aus "Schlesien heute" Nr. 7/2026
Festakt und Eröffnung der Schau zum Doppeljubiläum „500 Jahre Schönhof“ und „20 Jahre Schlesisches Museum zu Görlitz“ am 30. Mai 2026 waren ein historischer Höhepunkt für Görlitz und für Schlesien (S. 30). Wer nicht dabei sein konnte, kann sich erstens auf das Standardwerk zum Jubiläum freuen, das in den kommenden Wochen erscheinen wird und zweitens auf das Museumsfest am 13. September, dem „Tag des Denkmals“, an dem die Geburtstage von Schönhof und Museum noch einmal richtig gefeiert werden. Unabhängig davon kann die Jubiläumsschau „Wir sind Schönhof“ bis zum 14. Februar 2027 besucht werden.
In dieser Ausgabe können wir über weitere großartige Ausstellungen in Breslau und in Görlitz berichten, die nicht nur profundes Wissen vermitteln, sondern aufzeigen wie der respektvolle Umgang mit der Vergangenheit völkerübergreifend begeistert und verbindet, ein Fundament europäischen Miteinanders bildet. Hinzu kommt die Bewunderung für die Leistungen damaliger Künstler, für die Zeit der Romantik dokumentiert in einer aktuellen Ausstellung im Kaisertrutz (S. 40) und für die Jahrhunderte seit dem ausgehenden Mittelalter in einer herausragenden Darstellung einer Jubiläumsausstellung des Nationalmuseums einer polnischen Kuratorin in Breslau, die an die gewaltige Präsentation von vor 100 Jahren eines deutschen Kurators in Breslau anknüpft (S. 34).
Man kann nur staunen, welche Kunstschätze und Gemälde schon vor 700 oder 800 Jahren in diesem Schlesien in der spätmittelalterlichen Hochkultur geschaffen wurden, ganz abgesehen von der Fülle bis heute begeisternder, bedeutender Klöster und riesiger Kirchen, welche – damals gekonnt und tiefgläubig errichtet – die Zeiten überdauert haben und zu deren Bau wir heute nicht mehr in der Lage sind.
Ein weiteres Wunder der Freiheit im postsowjetischen Europa war an Pfingsten das erste Treffen der Sudetendeutschen in Tschechien (S.12). Eingeladen nach Brünn, Hauptstadt von Mähren und zweitgrößte Stadt des Nachbarlandes nach Prag, hatten tschechische Bürger und landesweit bekannte Intellektuelle. Mariginales Störfeuer unverbesserlicher, ewiggestriger Nationalisten, die in Berichten deutscher Medien zu starken Widerhall fanden, konnten dieses zutiefst europäische Friedensfest nicht stören.
Der Boden für dieses ermutigende Treffen war in langjähriger wachsender Vernetzung von Tschechen und Sudetendeutschen vorbereitet worden. Maßgebliche Verdienste hat dabei Bernd Posselt, für den das Friedensfest in Brünn einer seiner größten politischen Erfolge und ein Geschenk des Himmels zu seinem 70. Geburtstag bedeuten dürfte (S. 11). Wie kein anderer verkörpert und fördert der CSU-Europapolitiker, Sprecher der Sudetendeutschen, Präsident der Paneuropa-Union in Deutschland und langjährige, engste Mitarbeiter des unvergessenen Otto von Habsburg, heute die Idee der europäischen Einheit.
35 ist eigentlich keine runde Zahl, aber am 17. Juni wurde in Berlin und Warschau der 35. Jahrestag des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages offiziell gewürdigt. Es wurden Abkommen zur Vertiefung der politischen und militärischen Zusammenarbeit unterzeichnet. In diesen 35 Jahren hat es ein unglaubliches polnisches Wirtschaftswachstum gegeben, das in einem Namensbeitrag des CDU-Außenpolitikers Knut Abraham, Polen-Beauftragter der Bundesregierung, dargestellt wird (S. 21).
Dieses Wirtschaftswunder stellt ein Erfolg der polnischen Bevölkerung aber auch der europäischen Politik und Werte dar. Denn vielleicht wichtigster Faktor ist die Toleranz besonders in Schlesien, weil man das deutsche Erbe bestens pflegt und ohne Ressentiments wie bei der friedlichen Ostsiedlung im Mittelalter deutsche Investoren mit offenen Armen empfangen hat. Die Europäische Union genießt in Polen größte Zustimmung, während der Blick auf die deutschen Nachbarn sich laut deutsch-polnischen Barometer stark eingetrübt hat.
2018 empfanden noch 56 Prozent der Polen Sympathie für Deutschland. Heute sind es nur noch 32 Prozent. Hier spielt die Enttäuschung über die deutsche Putin-Politik seit Merkel und eine zu schwache Einbindung Polens in die deutsche Europapolitik auch mit Blick auf die bedrohte Ukraine eine Rolle. Vor allem aber zeigt sich die Wirkung von erstarkenden nationalistischen Umtrieben, die im Nachbarland mit Streitthemen aus der Vergangenheit um Reparationen und Gedenkorte das dringend notwendige, konstruktive Miteinander zur Lösung europäischer und globaler Herausforderungen – ob Moskau, Washington oder Peking – erschweren. Doch auch Berlin sollte unter Freunden wunde Punkte ansprechen. Am Geld scheitert es im heutigen Polen zum Beispiel nicht, wenn zum Beispiel die deutsche Minderheit in Oberschlesien auch 2026/27 mit Blick auf den Deutschunterricht weiter schikaniert wird.









