Fliesen-Schau, Foto: W. Rogowicz/MNWR
Im Hauptgebäude des Nationalmuseums Breslau kann man bis zum 30. August zwei kleine interessante Sonderausstellungen: „Die Fliesen. Keramische Intermezzi“ und „Medaillenkunst aus den Jahren 1770–1799 in der Sammlung des Nationalmuseums in Breslau” besichtigen.
Im Rahmen der Fliesen-Schau werden interessante Exponate aus der Museumssammlung gezeigt: farbenfrohe spanische Azulejos und kobaltblaue holländische Fliesen. Die Fliesen: dünne Platten aus gebranntem Ton, werden meist zur Verkleidung von Wänden verwendet. Die Spanier lernten diese Art der architektonischen Gestaltung im 10. Jahrhundert durch arabische Eroberer kennen. Im 14. Jahrhundert wurde dieser fremde Brauch zur Gewohnheit der Bewohner der Iberischen Halbinsel und gab Anlass zu dem Sprichwort „no ava casa sin azulejos“ (kein Haus ohne Fliesen). In den Niederlanden hingegen kam die Mode für keramische Wandfliesen im 15. Jahrhundert mit der Begeisterung für italienische Majolika auf. Die Niederländer verbanden das dekorative Potenzial der Fliesen mit den praktischen Eigenschaften der Keramik und verlegten die Fliesen an die Stellen der Wände, welche Feuchtigkeit und Verschmutzung ausgesetzt waren. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde die Niederlande zum Monopolisten in der Herstellung von Keramikfliesen, ihre Produkte gelangten bis nach Südamerika.
Die Ausstellung ist eine Auswahl aus der 186 Objekte umfassenden musealen Sammlung von Wand- und Bodenfliesen. Den größten Teil der Sammlung bilden niederländische Fliesen, vorwiegend in Weiß und Blau, mit gemalten biblischen und Genreszenen. Die meisten davon wurden in friesischen Werkstätten hergestellt, die im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den deutschen Ländern, Skandinavien, in Russland eine größere Kundschaft hatten als in ihrer Heimat.
Der kleinere Bestand der berühmten spanischen Azulejos dokumentiert die Dekorationstechniken, Formtypen und Stile der Fliesen, die auf der gesamten Iberischen Halbinsel hergestellt wurden. Ein außergewöhnlich schönes spanisches Exponat ist eine recht große Rokoko-Tafel mit einer bezaubernden Darstellung eines exotischen Vogels, wohl eines Eisvogels. Sehenswert sind auch mittelalterliche deutsche Bodenfliesen, von denen heute nur noch wenige erhalten sind, die aber einst in ganz Europa in Kathedralen, Klosterkreuzgängen und Burgen weit verbreitet waren.
Die zweite Schau zeigt Meisterwerke der Medaillenkunst, die an die wichtigsten Ereignisse dieser Zeit in Breslau und in Schlesien erinnern. Ausgestellt werden Medaillen, Plaketten, Wertmarken und Medaillenstempel. Es handle sich dabei um eine Art außergewöhnliche „Chronik“ aus Metall, so Museumsdirektor Dr. habil. Piotr Oszczanowski. Die Besucher können Werke von Künstlern wie Jean Dassier, Matthäus Donner, Jean Duvivier, Nicolas-Marie Gatteaux, Johann Philipp Holzhaeusser oder Franz Andreas Schega bewundern. Erwähnenswert sind etwa die Medaillen, die anlässlich der Gründung der Leopoldinischen Akademie in Breslau (1702) bzw. der Errichtung des neuen Gebäudes des Maria-Magdalenen-Gymnasiums in Breslau (1710) geschaffen wurden. Die Medaillen, Plaketten, Wertmarken und Medaillenstempel, die in der Ausstellung zu sehen sind, wurden seit 1947 in der Sammlung des MNWr zusammengetragen. Sie stammen aus Schenkungen von Privatpersonen, wurden von verschiedenen Institutionen überlassen oder angekauft. Fünfundzwanzig Objekte, darunter alle Medaillenstempel, stammen aus ehemaligen deutschen Sammlungen. M. Ilgmann
https://mnwr.pl/en/the-tiles-ceramic-intermezzi/ Kuratorin Jolanta Sozańska
https://mnwr.pl/medalierstwo-z-lat-1700-1799-w-zbiorach-mnwr/ Kuratorin Magdalena Karnicka
Hergestellt in: Valencia, Reales Fábricas de Azulejos, Ende des 18. Jahrhunderts, Foto: A. Podstawka/MNWR
Medaillenkunst-Schau: Vernissage, Foto: W.Rogowicz MNWR








