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Leben auf Kohle: Sonderschau im Ethnografischen Museum Breslau

„U Alchemika“ – Agrotourismus auf einem traditionellen, aus der Vorkriegszeit stammenden Bauernhof im Dorf Lichtenberg/Jasna Góra, 2026, Foto: Magdalena Lorek/MNWR

Bis zum 29. November wird im Ethnografischen Museum Breslau eine spannende Ausstellung: „Leben auf Kohle. Menschen, Landschaften, Kulturerbe im Zeitalter der Energiewende” gezeigt. Bergmannskrüge und Bergbau-Andenken, Gegenstände von sentimentaler Bedeutung und Kunstwerke, Fotografien, Pläne sowie Architekturmodelle – historische, zeitgenössische und zukunftsweisende – und sogar der Teddybär Rudolf, an den sich so mancher Erwachsene noch erinnert, sind in der Ausstellung zu sehen. Die Schau widmet sich den Menschen, Landschaften und dem Kulturerbe der Grenzregion rund um das Braunkohletagebaugebiet Turów und das Kraftwerk Turów in der niederschlesischen Gemeinde Reichenau/Bogatynia vor dem Hintergrund der Energiewende.

Die Ausstellung präsentiert ausgewählte Probleme und Themen, welche den Alltag der im Dreiländereck zwischen Polen, Tschechien und Deutschland lebenden Menschen prägen. Die Folgen des Bergbaus wurden am Beispiel der Geschichte von Weigsdorf/Wi­gancice Żytawskie dargestellt, das aufgelöst und dessen Bevölkerung umgesiedelt wurde, weil eine abrutschende Halde eine reale Gefahr für die Gesundheit und das Leben der Bewohner darstellte. Obwohl das Dorf seit 1999 physisch nicht mehr existiert, pflegen die Umsiedler bis heute ihre nachbarschaftlichen Beziehungen bei den jährlichen Treffen. Das Landschaftsbild der Region Reichenau/Bogatynia wird nicht nur von der Zeche geprägt, sondern auch vom reichen architektonischen Erbe des Grenzgebiets zwischen Schlesien und der Oberlausitz, dessen typisches Element die Fachwerkhäuser sind. Daher wurden in der Schau Modelle und Fotos dieser Häuser, Unterlagen über ihre Verlegung aus gefährdeten Gebieten sowie Entwürfe von Gebäuden gezeigt, die heute auf der Grundlage traditioneller Zimmermannskunst entstehen. In diesem Zusammenhang wurden auch Basisinitiativen der Einwohner gezeigt, die sich auf den Schutz historischer Fachwerkhäuser konzentrieren. Bad Oppelsdorf/Opolno-Zdrój wiederum ist ein ehemaliger Kurort, der am Rande des Tagebaus liegt. Die Schau erinnert an das dort 1971 organisierte Pleinair „Ziemia Zgorzelecka (Zgorzelec-Land)“ unter dem Motto „Wissenschaft und Kunst im Prozess des Schutzes der natürlichen Umwelt des Menschen“, an dem unter anderem der Maler und Architekt Konrad Jarodzki und die Konzeptualistin Natalia LL teilnahmen, und welches als erstes ökologisch ausgerichtetes Pleinair in der Geschichte der polnischen Kunst gilt.


Die Ausstellung stützt sich auf anthropologische Forschungen von Dr. hab. Katarzyna Majbroda, Prof. an der Universität Breslau am Institut für Ethnologie und Kulturanthropologie. Als Kuratorin der Schau betont sie: „Im Mittelpunkt der Schau „Leben auf Kohle“ stehen die Menschen – ihre Lebensgeschichten, Gefühle, Erinnerungen und Zukunftsvorstellungen. Gerade die Erfahrungen der lokalen Gemeinschaft vor Ort machen deutlich, dass die Energiewende nicht nur ein technologischer und wirtschaftlicher Prozess oder eine politische Entscheidung ist, sondern ein tiefgreifender gesellschaftlicher und kultureller Wandel, der eine Realität schafft, die das tägliche Leben konkreter Menschen beeinflusst. Die Ausstellung regt zum Nachdenken über die Beziehungen zwischen Mensch, Energie und Umwelt an. Sie zeigt, dass die Landschaft rund um Turów ein Raum verflochtener Geschichten ist: von Industrialisierung und Verlust, von Modernisierung und Verfall, von Erinnerung und Zukunft.” M. Ilgmann

Teddybär Rudolf aus Weigsdorf, der heute im Wirtshaus „Zagroda Kolodzieja“ in Zgorzelec die Gäste begrüßt, Foto: M.Ilgmann

Bergbau- und Energiekomplex Turów in der Landschaft, 2026, Foto: Magdalena Lorek/MNWR

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