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August 2026

Schlesisches Tagebuch von Alfred Theisen
​aus "Schlesien heute" Nr. 8/2026

In dieser Ausgabe veröffentlichen wir ein Poster vom prächtigen Ring in Bunzlau (S. 32), der vielleicht noch nie so schön gewesen ist wie heute. Das durch seine Keramik weltberühmte Bunzlau hat in den vergangenen 20 Jahren einen unglaublichen Aufschwung erlebt und mit der wiedergewonnenen Schönheit eine landesweite Auszeichnung für den von uns abgebildeten, polenweit am schönsten beleuchteten Ring erhalten. Die neue Pracht der alten Stadt an der Via Regia spiegelt sich vom 19. bis 23. August im weltweit schönsten und größten Keramikfest wider, zu dem wir einladen (S. 30).

Schlesien ist reich an herausragenden sakralen Bauten und Gnadenorten, es sei nur auf die vielen Perlen des schlesischen Barocks oder die zum Welterbe gehörenden Friedenskirchen hingewiesen. In jüngster Zeit ist durch ein wissenschaftlich dokumentiertes eucharistisches Wunder, ein Fingerzeig Gottes in die heutige Zeit, die St.-Hyazinth-Kirche in Liegnitz dazu gekommen (S. 28).

Gleich in mehreren Beiträgen können wir über bewegende Aktivitäten polnischer Schlesier berichten, die ermutigen und die deutsch-polnische Versöhnung voranbringen: Ein Gespräch mit der Publizistin Joanna Mielewczyk über ihren Film „Schicksal/Los“ (S.36), die Familienforschung für Kriegswaisen von Dariusz Giemza (S. 54) und den Aufruf der Studentin Natalia Podwysocka, die Unterstützung aus den Reihen der deutschen Schlesier bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit zum Zobten sucht (S. 59).  

Die schlesische Kultur- und Museumsarbeit in Deutschland erlebt durch die sich in den Ruhestand verabschiedende Nicola Remig einen großen Rückschlag (S. 48). Ohne familiäre Wurzeln in Schlesien hat sie als langjährige, bestens im heutigen Schlesien vernetzte Leiterin des Dokumentations- und Informationszentrums im Haus Schlesien eine großartige Lebensleistung vorzuweisen.

Johanna Brade würdigt für das Schlesische Museum zu Görlitz den unlängst im Alter von 101 Jahren in Bergisch Gladbach verstorbenen großen Schlesier, Zeitzeugen und Künstler Heinrich J. Jarczyk (S. 52). Vor 20 Jahren verstarb am 24. August 2006 Herbert Hupka, ein herausragender schlesischer Intellektueller und Politiker. Erst in der September-Ausgabe werden wir ihn würdigen.

Albrecht Graf von Roon war nicht irgendeiner. Wie kaum ein anderer Militär hat er deutsche Geschichte geschrieben. Allen die schon glauben das Paradies auf Erden erreicht zu haben und von „Frieden schaffen ohne Waffen träumen“, sollten sich mit der Biografie dieses preußischen Kriegsministers ohne allzu überheblichen moralischen Rigorismus auseinandersetzen. In der neuen Ausstellung auf Schloss Krobnitz (S. 14) dokumentiert ein Dankesschreiben des preußischen Kaisers bei seiner Entlassung in den wohlverdienten Ruhestand, wie sehr Albrecht Graf von Roon das preußische Militär vorangebracht hat. Durch sein Wirken hat er maßgeblich zu Preußens Siegen gegen Frankreich 1870/71 oder schon im Bruderkrieg 1866 gegen das seine Verteidigung unter den Habsburgern sträflich vernachlässigende Österreich beigetragen. Dadurch wurde eine ohnehin kaum noch vorstellbare Renaissance des 1806 im Ringen mit Napoleon aufgegebenen, tausendjährigen „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ endgültig zunichte gemacht und der Weg war frei für ein nur ein halbes Jahrhundert existierendes, von Preußen dominiertes Kaiserreich. Dieses brachte durch industrielle Revolution und die von Frankreich nach 1870/71 zu leistenden Milliardenzahlungen die Gründerzeit hervor, eine Ära, die vor allem dem schlesischen Görlitz ein unglaubliches Wachstum an neuen Stadtvierteln, Straßenzügen, Villen und prächtigen Schul- und Amtsbauten sowie eine herausragende wirtschaftliche, zivilisatorische und kulturelle Blütezeit bescherte. Die sich daraus speisende Preußenverehrung im seit 1815 zur Provinz Niederschlesien gehörenden Teil der Oberlausitz kam unter anderem in dem Denkmal für Kaiser Wilhelm I. auf dem Görlitzer Obermarkt und der „Ruhmeshalle“ für die drei ersten preußischen Kaiser auf dem östlichen Neisseufer, heute als Kulturhaus Wahrzeichen des polnischen Görlitz/Zgorzelec, zum Ausdruck. Doch die Ausstellung in Krobnitz zeigt weitere Facetten regionaler Geschichte, die vor allem jungen Menschen heute nahegebracht werden müssen. Dazu gehört Nationalsozialismus, Krieg, Vertreibung und sowjetrussischer Imperialismus in der Oberlausitz, aber auch das Unrecht an den adeligen Familien, deren brutale Enteignung und Verfolgung in der sowjetischen Besatzungszone nach 1945.

Es ist das Verdienst und ein mutiges Wagnis der Stadtverwaltung von Reichenbach/OL Schloss Krobnitz als einer der großartigen historischen Schauplätze der Region wieder zugänglich gemacht zu haben. Das schöne Schloss mit seinen Nebengebäuden und dem großen gepflegten Park lädt heute Einheimische und Gäste als neuer touristischer Leuchtturm gleichermaßen zum Studieren, Flanieren und Genießen ein.

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