• 01. September 2017
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Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen vergeben

Am 12. August war es wieder so weit. Zum 41. Mal wurde der Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen vergeben. Im Theater zu Osnabrück haben die Regisseurin Karin Kaper, der Rektor der Universität Oppeln, Prof. Stanisław Nicieja und Dr. Margarethe Wysdak und Barbara Loch für den Verein Pro Liberis Silesiae den begehrten Kulturpreis entgegengenommen.

Auch nach 41 Schlesienpreisvergaben kann es immer noch eine ergreifende Veranstaltung sein, für die Geehrten genauso wie für die Gäste. Es sind meist die Dankesreden, die Erinnerungen wecken oder durch Geschichten berühren. Karin Kaper brachte diese zahrte Seite zum klingen. So dankte sie ihrer Tante Hertha Christ:

„Für den herzzerreißenden Moment bei den Dreharbeiten am Bahnhof von Marklissa (Leśna). Dorthin wurde das gesamte Dorf Niederlinde (Platerówka) hinbefohlen und mit Zügen in den Westen deportiert. Und in Erinnerung daran fing meine Tante unvermittelt an, mit gebrochener Stimme ‚Ade, du mein lieb Heimatland’ zu singen. Ich danke meiner Tante für die Tränen, die ich in diesem Moment nicht mehr unterdrücken konnte“.

Karin Kaper ist in Bremen geboren, aber ihre Eltern haben es geschafft, dass auch für sie Schlesien eine Art Heimat ist. „Irgendwann wollte meine Mutter aber doch noch unbedingt ihren Geburtsort wiedersehen. Wir beide wagten 1975 allein die Fahrt ins Ungewisse, ich war 16 Jahre alt“, erinnerte sich Kaper, die seit vielen Jahren das Thema Schlesien filmisch verarbeitet. Zuletzt auch in dem Film, der ihr den Kulturpreis Schlesien eingebracht hat, „Wir sind Juden aus Breslau“.

Stanisław Sławomir Nicieja ist in Striegau (Strzegom) geboren als Sohn Vertriebener Ostpolen. „Meine Jugendjahre verlebte ich in Niederschlesien, in den beiden von wunderschöner Architektur der Renaissance und des Barock geprägten Städtchen Striegau und Schweidnitz, im Schatten der prächtigen gotischen Basilika und der herrlichen barocken evangelischen Kirche. In diesen Gotteshäusern gab es Dutzende Epitaphe des alten schlesischen Adels – künstlerisch besonders wertvoll und von europäischer Bedeutung, wie auch sakrale Skulpturen und Gemälde schlesischer Meister“, so der Historiker und Kunstkenner und erklärte damit seine Liebe für Architekturgeschichte und die Tatsache, dass er 30 Jahre seines Lebens der Aufgabe widmete, die vom Zerfall bedrohten Werke schlesischer Kultur zu retten. Er tat dies indem er u. a. Lapidarien erhaltener Grabdenkmäler erstellte und Skulpturen und Gebäude sanieren ließ.

„Als die Studenten des Lehrerkollegs nach dem Praktikum für Deutsch wieder in die Seminare kamen und sich beschwerten, dass die neuen Methoden und die innovative Pädagogik in vielen Schulen der Region nicht umsetzbar sind, haben wir nach Wegen gesucht, um zu beweisen: es geht auch anders!“, erläuterte Dr. Margarethe Wydak die Motivation für die Gründung ihres Bildungsvereins Pro Liberis Silesiae (Für die Kinder Schlesiens) vor acht Jahren (Siehe Interview im Anschluss).

„Wenn man noch einmal als Kind auf die Welt käme, würde man unbedingt diese Schule besuchen wollen!“, allein dieser Satz des Laudators und Kulturpreisjurimitglieds, Prof. Michael Pietsch, liefert Begründung genug für die Auszeichnung Pro Liberis Silesiae. (ka)

Die Preisträger des 41. Kulturpreises Schlesien
v.l.n.r.: Dr. Margarethe Wysdak (Pro Liberis Silesiae), Karin Kaper, Prof. Stanislaw Nicieja und Barbara Loch (Pro Liberis Silesiae)

Foto: pro-liberis-silesiae.eu

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