Oberschlesien Nr. 7/2009

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"Oberschlesien" wird bald als Magazin erscheinen
Norbert Zurek sprach mit dem Verleger Alfred Theisen

(Auszug aus dem in Oberschlesien Nr. 3/2006 veröffentlichten Interview)

Vor fünf Jahren haben Sie die Zeitung "Unser Oberschlesien" übernommen und nach Oberschlesien gebracht. Wie kam es zu diesem Schritt?
Die Zeitung "Unser Oberschlesien" ist knapp 50 Jahre als Heimatzeitung der vertriebenen und ausgesiedelten Oberschlesier vom Chmielorz-Verlag in Wiesbaden produziert worden. Den großen Abonnentenstamm bildeten die alten Oberschlesier, die noch die Wirren in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts - Nationalsozialismus, Krieg und Vertreibung - erlebt hatten.....

Seit 1989 haben wir jedoch eine völlig neue Situation. Der freiheitliche Wandel hat dazu geführt, daß die Deutschen in Oberschlesien als Minderheit anerkannt wurden und sich in zahlreichen Vereinen organisieren konnten. Nicht mehr in der Fremde sondern in der Heimat selbst gilt es seitdem die deutschen Wurzeln, das bedeutet deutsches Kulturerbe, Brauchtum und Traditionen, zu pflegen. Denn nur hier in Oberschlesien kann auf Dauer eine oberschlesische Identität bewahrt werden, die in Westdeutschland mit dem Abtreten der Erlebnisgeneration der Vertriebenen allmählich untergehen wird.

Es war aus zwei Gründen sinnvoll und notwendig, diese Zeitung der Oberschlesier wieder in Oberschlesien herauszubringen:
Erstens um den Bemühungen der Deutschen in Oberschlesien nach Jahrzehnten der nationalen Unterdrückung wieder ein Fundament und Forum deutscher Identitäts- und Kulturarbeit zu geben und zweitens, um die Oberschlesier im Westen aus erster Hand über die Entwicklung in der Heimat informieren zu können. Der erst seit dem Herbst 1989 möglich gewordene, ungehinderte Einsatz in Oberschlesien stellt meines Erachtens den wichtigsten und interessantesten Aufgabenbereich für die heutigen oberschlesischen Vereine in Deutschland dar.

Wird dies auch in den oberschlesischen Vereinen in Deutschland so gesehen?
Von einigen schon, aber ich denke insgesamt noch zu wenig. Ich wünsche mir noch viel stärkere und engere Verbindungen zwischen den Oberschlesiern in Deutschland und in der Heimat. Zu diesem gegenseitigen Geben und Nehmen möchten wir durch die Zeitung "Oberschlesien" beitragen. Denn beide Seiten können von einer solchen partnerschaftlichen Zusammenarbeit nur profitieren. In der Heimat braucht man die moralische und materielle Hilfe aus dem Westen und in Deutschland ist man dankbar, wenn oberschlesische Volkstanzgruppen, Chöre und Blasorchester als Botschafter der Heimat öffentliche Veranstaltungen bereichern. Fahrten Richtung Oberschlesien, die auch über Aufenthalte in wieder alten Glanz gewinnenden städtebaulichen Perlen wie Görlitz, Breslau oder auch Krakau zusätzlich an Attraktivität gewinnen und mit konkreten Begegnungen und Projekten in der Heimat verbunden werden, sollten heute auch mit Blick auf eine erfolgreiche Mitgliederwerbung zum Pflichtprogramm von Vereinen der Oberschlesier im Westen gehören. Unser Unternehmen ist aus gutem Grund nicht nur im verlegerischen Bereich tätig, wo wir unter anderem Bücher und Zeitungen zu oberschlesischen Themen herausbringen, sondern auch zunehmend im touristischen Bereich, wo wir deutschlandweit Fremdenverkehrswerbung für ganz Schlesien machen und auch Fahrten nach Oberschlesien organisieren. Ich würde mich freuen, wenn die oberschlesischen Vereine im Westen wie in der Heimat dabei mehr mit uns zusammenarbeiten würden.

Sie erwähnen Görlitz, Breslau und Krakau. Hat Oberschlesien keine besonderen touristischen Attraktionen zu bieten?
Oberschlesien hat ein enormes touristisches Potential mit wieder erblühenden Städten, restaurierten Schlössern, schönen Kirchen, Klöstern, Wallfahrtsorten oder auch im Kurwesen. Dabei denke ich z. B. an die neuen Kureinrichtungen in Groß Stein, die noch ausbaufähigen Möglichkeiten in Bad Ziegenhals oder das in OS Nr. 3/06 vorgestellte Bad Ustron. Nehmen Sie zum Beispiel Oppeln mit seinem markanten Rathaus, dem schmucken Ring und seinen vielen interessanten Kirchen oder auch Ratibor mit Lubowitz und Neisse, das im Bereich des Fremdenverkehrs besondere Anstrengungen unternimmt. Auch die deutsche Minderheit ist für deutsche Reisegruppen - nicht nur aus dem Bereich der Oberschlesier - ähnlich wie zum Beispiel die Sorben in der Oberlausitz eine besondere touristische Attraktion. Begegnungsabende in deutschen Vereinshäusern mit Musik und Gesang bleiben unvergeßliche Reiseerlebnisse.
In Görlitz wirbt man sehr viel und erfolgreich mit der Lage an der via regia... Auch Oberschlesien mit Oppeln und Kattowitz liegt an dieser Route, aber niemand erfährt etwas davon. Im Rahmen der Möglichkeiten unseres kleinen Unternehmens möchten wir daher in Zukunft mit Blick auf die Fremdenverkehrswerbung für Oberschlesien erheblich aktiver werden.

Welche Möglichkeiten sehen Sie dabei?
Zum einen haben wir unter dem Motto "Der Toskana Konkurrenz machen" damit begonnen Nieder- und Oberschlesien deutschlandweit auf Tourismusmessen zu präsentieren. Auch den Tag der Oberschlesier möchten wir mit einem attraktiven Tourismusstand bereichern. Zum anderen wollen wir auch diese Zeitung "Oberschlesien" attraktiver gestalten und in Zukunft mehr bei der Fremdenverkehrswerbung einsetzen. Ich hoffe bei unseren Bemühungen auch auf eine rege Zusammenarbeit mit den Vereinen der Oberschlesier, denn die Werbung für die Heimat kann am besten durch die Menschen erfolgen, die ihre Heimat lieben. Eine Tourismusregion kann nur dort entstehen, wo die Menschen dies auch wollen und dabei mitmachen. Natürlich stehen wir dabei in Oberschlesien erst am Anfang, aber ich denke die Tourismuswerbung ist eine zukunftsweisende, begeisternde Aufgabe, für die sich viele Oberschlesier auch durch unsere künftig in neuer Aufmachung erscheinende Zeitung "Oberschlesien" gewinnen lassen werden.

Welche Veränderungen planen Sie bei der Zeitung "Oberschlesien"?
Wir haben die Zeitung in den letzten 5 Jahren ständig verändert und jetzt geht es eigentlich nur darum, den nächsten Schritt zu tun. Da die Zeitung einen stark überalterten Leserstamm hatte, waren wir angesichts der vielen Abonnementskündigungen (aufgrund von Sterbefällen und Erkrankungen) ständig gezwungen, die Zeitung attraktiver zu machen, um neue Abonnenten zu gewinnen. Wir haben seit 2001 das Format und die Schrift vergrößert, haben farbige Seiten eingeführt und die Themenvielfalt ausgeweitet. Jetzt möchten wir "Oberschlesien" ab der Ausgabe Nr. 4/2006 im attraktiven-Magazinformat erscheinen lassen. Durch das neue Format, die höhere Druckqualität und erheblich besseres Papier, das auch eine optimale Wiedergabe von Bildern ermöglicht, versprechen wir uns einen Aufschwung von "Oberschlesien", nachdem es uns in den vergangenen Jahren angesichts der hohen Sterberate nur mühsam gelungen ist, den Abonnentenstamm in Deutschland und in Oberschlesien zu halten. Wir orientieren uns dabei am Erfolg der ebenfalls in unserem Verlag erscheinenden, sehr erfolgreichen Zeitschrift "Schlesien heute".

Aber eine solche Umgestaltung zum Magazin wird teuer sein?
Ich sehe die anfallenden Kosten als eine gute Investition in die Zukunft der neuen Zeitschrift, die weiter zweimal im Monat erscheinen wird. Denn wenn wir mit einem attraktiveren Magazin "Oberschlesien" mehr Abonnenten gewinnen, werden sich die Investitionskosten bald erwirtschaftet haben. Wir werden den Abonnementspreis in Deutschland auf jeden Fall nicht erhöhen, auch in Oberschlesien erst einmal nicht. Allerdings wird der Verkaufspreis in Oberschlesien am Kiosk erhöht werden. Wir werden wohl den Kiosk-Verkauf in Oberschlesien wegen der geringen Gewinnspanne ohnehin einstellen. Auch in Oberschlesien wird die neue Zeitschrift dann nur im Abonnement erhältlich sein. Ich möchte in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hinweisen, daß wir im Gegensatz zu anderen noch existierenden ober- und niederschlesischen Heimat- und Verbandszeitungen ganz ohne Förderungen und Spenden arbeiten. Um so dankbarer sind wir den Oberschlesiern, die unseren Verlag durch Geschenkabonnements und ihre Werbung in den Vereinen und im Verwandtenkreis unterstützen.

Wird ein Weggang aus dem Kiosk nicht zu Lesereinbußen führen?
Am Anfang natürlich schon. Aber der Verkauf am Kiosk ist für uns aufgrund der schwachen Gewinnspanne beim Magazin-Format nicht mehr rentabel. Schon jetzt subventioniert unser Verlag den Preis der Zeitung in Oberschlesien und wird dies auch in Zukunft tun. Ich denke jedoch, daß die deutschen Oberschlesier, die eine solche farbige oberschlesische Zeitschrift haben wollen, sie auch abonnieren werden, was jetzt schon viele tun. Ohnehin ist der Abonnementspreis günstiger als der Preis am Kiosk. Wer die Zeitung bestellen möchte, kann sich direkt an unser Büro in St. Annaberg wenden.

Wie ist die Umbenennung der Zeitung von "Unser Oberschlesien" in "Oberschlesien" aufgenommen worden?
Es hat sehr viel Zustimmung und kaum Widerspruch gegeben. Das Wort "Unser" gab in Deutschland und Polen immer wieder Anlaß zu Verdächtigungen, daß die Zeitung insgeheim doch revisionistischen Tendenzen Vorschub leisten wollte. Wir sind jedoch der Überzeugung, daß die Zukunft Oberschlesiens weder rein deutsch noch rein polnisch, sondern nur europäisch sein kann. Wir genießen es, daß Oberschlesien heute ein offenes Land ist, in dem wir unabhängig und oft auch sehr kritisch in deutscher Sprache berichten können.

Tag der Oberschlesier

Alfred Theisen
über die Zeitschrift
Oberschlesien,
(18.12.07)

Alfred Theisen

Alfred Theisen
zum neuen Magazinformat
(Februar 2006)

Alfred Theisen
über Herbert Hupka
(September 2006)