Ein Eisenbahnmuseum in Schlesien
Große Pläne in Königszelt/Jaworzyna Slaska

Zwischen Striegau/Strzegom und Schweidnitz/Swidnica liegt Königszelt/Jaworzyna Slaska. Landesweit bekannt wurde der Ort im vergangenen Jahrhundert als Eisenbahnknotenpunkt und durch die Porzellanfabrikation. Heute entsteht hier ein Eisenbahnmuseum.

Der Niedergang des traditionsreichen Eisenbahnortes rief im vergangenen Jahr einige Breslauer Idealisten auf den Plan. Maßgeblich auf Initiative von Dr. Piotr Gerber, Dozent an der Technischen Hochschule in Breslau, unterstützt von Adam Meller, Präsident des Harley-Davidson Clubs in Breslau, wurde ein gemeinnütziger Trägerverein für ein Museum für Technik und Eisenbahn gebildet.

Seit dem Herbst vergangenen Jahres konnte dieser Verein das Eisenbahngelände in Königszelt von der Polnischen Staatsbahn PKP übernehmen und den Aufbau eines Eisenbahnmuseums vorantreiben. Eine Umzäunung des Geländes und eine Sicherung durch einen Wachdienst setzten dem Vandalismus ein Ende. Aus eigener Kraft, die Tätigkeit des Vereins wurde bislang nur durch Mitgliedsbeiträge und Sponsoren finanziert, wurden die Werkhallen und Maschinen teilweise wieder nutzungsfähig gemacht und erste Gebäudeteile saniert. Nachdem man nun eine solide Aufbauarbeit vorweisen kann, ist man zuversichtlich in Zukunft auch staatliche Fördergelder oder sogar EU-Mittel zu erhalten, um die enormen Personal- und Materialkosten für dringend erforderliche weitere Renovierungsarbeiten erhalten zu können.

Dem Besucher können heute schon 38 Lokomotiven, überwiegend polnischen, aber auch deutschen und amerikanischen Ursprungs gezeigt werden. Stolz wird dem Besucher z. B. eine einst 2000 PS starke, und bis zu 160 Kilometer schnelle polnische Lokomotive des Typs PT 31, Nr. 49 präsentiert, die in den 1930er Jahren gebaut wurde und in den Wirren des vergangenen Jahrhunderts unter anderem in Polen, Österreich, dem Orient und der Ukraine zum Einsatz kam.

Weiter ist eine Kollektion von 25 amerikanischen Motorrädern Marke Harley-Davidson und Indian zu sehen. Das älteste Modell stammt aus dem Jahre 1926. Alle Maschinen sind restauriert und fahrbereit. Die Ausgestaltung der Räume in denen eine ganze Reihe von Firmenschildern und einschlägigen Bildern und Dokumenten auch die deutsche Wirtschafts- und Eisenbahngeschichte Breslau dokumentieren, zeigt, daß man für entsprechende Kooperationen aus Deutschland offen und dankbar ist. So wird zum Beispiel über die ehemalige Firma Ernst-Werke-Motorenbau, Steinauer Str. 12, Breslau 6, informiert und zu den Nachkommen der Inhaber in Deutschland bestehen Kontakte.

Die Werkstätten mit traditionellem Arbeitsgerät konnten inzwischen soweit hergestellt werden, daß hier inzwischen wieder Reparatur- und Restaurierungsarbeiten durchgeführt werden können. Landesweit Aufsehen erregte das Eisenbahnmuseum in Königszelt im Januar anläßlich der Feiern aus Anlaß der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 60 Jahren. Hier in Königszelt konnten zwei Waggons vorgefunden werden, in denen damals Juden nach Auschwitz transportiert wurden. Sie wurden von Mitarbeitern des Eisenbahnmuseums wieder flott gemacht und konnten bei den Feiern vor Ort in Auschwitz in Gegenwart z. B. des französischen Staatspräsidenten Jaques Chirac und des polnischen Präsidenten Kwasniewski auf der Judenrampe vorgeführt werden. Die Kosten wurden von einer jüdischen Stiftung in Frankreich übernommen.

Einnahmen versucht das Museum auch durch die Verleihung historischer Schienenfahrzeuge für Film- und TV-Aufnahmen zu erzielen. Inzwischen können in geeigneten Räumen Lehrgänge für Schulklassen oder Praktika für Studenten angeboten werden. Die Schüler können in originalen, restaurierten Schlafwaggons übernachten. Das Bahngelände mit dem Eisenbahnmuseum ist im Ort gut ausgeschildert.

Für deutschsprachige Interessenten und Besucher steht vor Ort:
Adam Meller, Tel. (0048) 607 627 875 als Ansprechpartner zur Verfügung.

Ein Anfang ist nun gemacht, aber es ist noch einiges zu tun, um aus diesem Eisenbahnmuseum eine attraktive Fremdenverkehrseinrichtung zu entwicklen, die massenhaft Touristen anzieht. Auch die Kommunalpolitiker in Königszelt, in dem man z. B. vergeblich nach einer Speisegaststätte oder gar einer Pension Ausschau hält, sind hier gefordert, den begrüßenswerten Einsatz des neuen Trägervereins für ein Eisenbahnmuseum in Königszelt nachhaltig zu unterstützen.

Kontakt: ul. Towarowa 4, 58-140 Jaworzyna Slaska, Tel. (0048) 74 856 4330, www.muzeumtechniki.pl.

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